AKTIVITÄT

2. Netzwerktreffen 2019 im Rahmen des Nationalen Stadtentwicklungspolitikkongress

18. SEPTEMBER in STUTTGART

Der Nationale Stadtentwicklungspolitik-Kongress ist mit jährlich circa 1000 Teilnehmenden ein bundesweiter Netzwerktermin. Dieses Jahr waren wir aktiv dabei und gestalteten mit unserem offenen Netzwerktreffen den ersten Programmpunkt. An die rund 70 Mitglieder und Gäste wendet sich dieNetzwerkmitbegründerin Frauke Burgdorff, nach einer kurzen Begrüßung, gewohnt direkt, mit einer klaren Zielsetzung: Der Immovielien-Begriff soll in spätestens fünfJahren im Duden stehen. Angesichts der erfolgreichen Öffentlichkeitsarbeit seit 2016, sei das durchaus realistisch, wenn alle „Immovielien-Freunde“ an dieser Mission aktiv mitwirken. Wer sie kennt, weiß warum wir „unsere“ Frauke, frisch zur Baudezernentin der Stadt Aachen gewählt, gebeten haben, die Verbindung zwischen dem diesjährigen Thema des NSP-Kongresses und unserer Netzwerkarbeit darzulegen: Immovielien tun etwas fürs Gemeinwohl, sie tun etwas für die Gemeinschaft vor Ort. Egal ob Dorfladen, kultureller Veranstaltungsort, Gewerbehof, oder Wohnprojekt: Sie alle geben der Stadtgesellschaft etwas umsonst und produzieren langfristig einen Mehrwert für das Quartier oder die Region, ohne dass die Wirtschaftlichkeit dabei an erster Stelle steht- das macht sie solidarisch! Das Immovielien mehr als ein bloßer Ort der kreativen Selbstverwirklichung sind, zeigt sich auch an anderer Stelle.

So fungieren Immovielien mitunter auch als wichtige Vermittler zwischen zivilgesellschaftlichem Engagement und der verfassten Demokratie, wie Frauke Burgdorff am Beispiel der Dortmunder Immovielie Uniongewerbehof hervorhebt. In den 90er-Jahren einst von Erwerbslosen belebt, fungiert der Gewerbehof heute, im von Problemen mit Rechtsradikalismus geprägten Stadtteil Dorstfeld, als wichtiger Brückenbauer in unterschiedliche Stadtgesellschaften und Stabilisator des Stadtteils. Neben den positiven Impulsen, die Immovielien in ihr Quartier und Umfeld in ganz unterschiedlicher Weise geben, betont Frauke Burgdorff auch die oft übersehene wirtschaftliche Hartnäckigkeit der Projekte. Immovielien bleiben und sind in der Regel sogar beständiger als konventionelle Immobilien-Projekte. Oft darauf angewiesen Sonderlösungen zu entwickeln, finden Immovielien-Macher*innen ganz unterschiedliche Wege der Finanzierung und Förderung ihrer Ideen– sie sind resilient!

Dieser Umstand sollte jedoch nicht nur zu Lob und Anerkennung animieren, sondern auch dazu, die Rahmenbedingungen für Immovielien aktiv zu verbessern. Dafür, erklärt Frauke Burgdorff, hat sich das Netzwerk gegründet. Besonders betont sie dabei noch einmal die Forderung des Netzwerks nach „Mehr Augenhöhe“. So werden Immovielien nach wie vor in ihrem Potenzial für eine nachhaltige Stadtentwicklung verkannt. Immovielien müssen ernst genommen werden und dies nicht bloß als gemeinwohlorientierte Akteure, sondern als ernsthafte Investoren, die die ihre Umgebung nicht benutzen, sondern in sie reinvestieren und sie bereichern- das macht sie smart, in Sinne von nachhaltig, so die Kernbotschaft Frauke Burgdorffs zum Abschluss ihrer Rede.

Kommunen und Gemeinden könnten die Projekte dabei nicht nur mehr fördern, sie könnten von dem besonderen Querschnittswissen der Immovielien-Macher*innenunmittelbar profitieren. Wohin es für das Netzwerk abseits des angestrebten Platzes im Duden in möglichst naher Zukunft gehen sollte, scheint für sie klar zu sein: In den Bundestag, um mehr an politischer Sichtbarkeit und Wirksamkeit zu gewinnen. Weiter für Immovielien zu schwärmen und für sie auszuschwärmen, das Netzwerk dabei als stete Inspirationsquelle nutzen – darauf kommt es in der Zukunft an!

Nach diesem inspirierendem Intro stellten sich beispeilhaft die Projekte Haus der Statistik in Berlin und die Farbküche in Altenburg (Thüringen) als Immovielien aus Stadt und Land vor. Im zweiten Teil des Netzwerktreffens stand der Austausch und die Vernetzung von Mitgliedern und Gästen im Vordergrund. Auch bei weiteren Panels des Rahmenprogramms waren unsere Mitglieder beteiligt. Außerdem hatte das Netzwerk einen Info-Tisch und war Teil der Ausstellung der Urbanen Liga.