Vielfalt am Büchel – erstes Immovielienquartier für Aachen?

Ein Gespräch mit Projektmitarbeiter*innen Antje Eickhoff und Nils Jansen, geführt von Vivienne Graw fürs Netzwerk Immovielien

Immovielien-Gründerin Frauke Burgdorff ist seit 2019 Planungsdezernentin in Aachen. Das Projekt Altstadtquartier Büchel trägt deutlich ihre Handschrift. Wir haben nachgefragt, was im Herzen der Aachener Altstadt, rund um das Parkhaus „Büchel“ gerade passiert.

Auf einer Fläche von ca. 2 Hektar soll ein neues, vielseitiges Innenstadtquartier mit einem Nutzungsmix aus öffentlichen Räumen, Wohnungen, Lern- und Arbeitsorten entstehen. Ein Knotenpunkt, der von allen Bevölkerungsgruppen und -schichten genutzt wird. Der erste große Schritt in diesem Projekt ist die schrittweise Schließung und der für 2021 geplante Abriss, des Parkhaus Büchel. Im gerade laufenden Sondierungsverfahren „Stadt machen am Büchel“ wird nach innovative Nutzungs- und Investitionsideen für dieses neu Innenstadtquartier gesucht. Die Vorschläge müssen identitätsstiftend und städtebaulich passend in eine altstadttypische Umgebung eingebettet werden können und sind durch eine lebendige Nutzungs- und Perspektivenvielfalt auszeichnen (Quelle: https://buechel-aachen.de/).

Was sind die Haupt-Ziele des Projektes? Welche Ziele verfolgt die Stadt Aachen mit diesem Projekt in erster Linie?

Jansen: Hauptziel des Projektes ist es ein lebendiges, nutzungsdurchmischtes neues Stück Altstadt zu bauen und damit auch ein Stück Stadt zu reparieren, das aktuell einerseits durch das Parkhaus Büchel dominiert, andererseits durch den Prositutionsbetrieb in der Antoniusstraße geprägt wird.

Eickhoff: Es geht darum möglichst viele Personen für das Projekt zu begeistern und kleinteilige Strukturen zu schaffen. Das bedeutet, wenn mal 1-2 Bausteine ausfallen, dass es dann nicht schwer ist, neue Nutzer*innen zu finden, weil die Bausteine so klein und multifunktional sind. Ich meine dieses „Hybride“, wo Wechsel auch Spaß machen kann, das Dynamische, dass sich an die Gegebenheiten anpassen kann.

Auf der Website des Projektes steht, dass es schon mal einen städtebaulichen Wettbewerb für die gesamte Fläche zwischen Büchel und Klein- bzw. Großkölnstraße gab, doch die zwei Investoren hätten sich zurückgezogen. Bedeutet das, dass es kein städtebauliches Konzept für die Zeit nach dem Abriss gibt?

Jansen: Den Beschluss dieses Parkhaus abzureisen gibt es bereits seit 1986. Seitdem gab es verschiedene Versuche das Gebiet zu entwickeln. Der letzte startete 2014/2015 mit den damaligen Investoren, die gemeinsam mit der Stadt einen städtebaulichen Wettbewerb durchgeführt haben, der sich sehr stark an ihrem Programm orientiert hat. Damals ging es dem Einzelhandel noch besser, d.h. es wurden viel mehr Einzelhandelsflächen geplant. Jetzt, wo die Stadt die Federführung hat, spielen andere Programmbausteine, u.a. öffentliche Nutzung eine stärkere Rolle. Deswegen können wir den bestehenden städtebaulichen Wettbewerb nicht mehr als Grundlage nutzen. Mit unserem Ideenwettbewerb sondieren wir aktuell, um eine Ahnung zu bekommen was das Raumprogramm sein könnte. Auf der Grundlage der eingereichten Konzepte wird es dann ein städtebauliches Qualifizierungsverfahren geben. Zum Schluss wird es dann in einen Bebauungsplan gegossen.

Beim aktuellen Sondierungsverfahren werden vermutlich die unterschiedlichsten Nutzungskonzepte und -ideen eingereicht. Welche Nutzungen wünschen Sie sich für das Gebiet?

Eickhoff: Wir sind für alles offen. Wir wollen einen bunten Mix.

Jansen: Von ganz klein bis ganz groß nehmen wir jede Idee gerne entgegen.

Es ist eine Stadtentwicklungsgesellschaft (SEGA) gegründet worden – extra für dieses Projekt. Finanziert die Stadt die eingereichten Ideen mit? Oder muss die Finanzierung bei der Idee immer schon mitgedacht werden?

Jansen: Jede Idee muss auf eigenen Füssen stehen können. Sollten es private Nutzungsideen sein, dann müssen sie sich selbst tragen können. Bei öffentlichen Nutzungen müssen sie entweder aus öffentlichen Haushalten oder der Städtebauförderung ihre eigenen Finanzierungsquellen bekommen. Doch wir hoffen, dass wir Grundstückspreise anbieten können, die verschiedenste Nutzungen ermöglichen.

Die Stadt Aachen hat bei diesem Projekt die Federführung. Wie viel Immovielienpotenzial stekct aus Ihrer Sicht in dem Projekt?

Jansen: Immovielie steckt schon deswegen mit drin, weil wir das Grundstück nicht an den einen Investor geben, sondern wir über dieses Sondierungsverfahren eine Vielfalt zu lassen.

Eickhoff: Ein Beispiel dafür, wieviel Immovielie jetzt schon drinsteckt, sind unsere „Meffis“ aus der Mefferdatisstraße. Das sind zwei Häuser, die der SEGA bereits gehören und die im Erdgeschoss von einer Gruppe junger Stadtmacher*innen genutzt werden sollen. Dahinter stecken 35 Initiativen aus ganz Aachen, mit großartigen Konzepten. Das wird auf jeden Fall eine Immovielie werden. Einige der Initiativen denken auch weiter, wie sie sich im Rest von Büchel einbringen können, d.h. da spürt man sehr stark den Immovieliengeist.

An welchen Stellen behält sich die Stadt eine „Top down“ Entscheidung vor?

Jansen: Noch werden wesentliche Weichenstellungen von der Politik getroffen. Doch es gibt sicherlich die Möglichkeit, dass die Politik ihre Macht an ein Verfahren abgibt, dass der gemeinwohlorientierten Entwicklung Vorrang gibt. An diesem Zeitpunkt sind wir aber noch nicht. Wir hoffen aber, dass wir über das Sondierungsverfahren so interessante Nutzer*innen finden, dass die Politik gerne ihre Macht an ein Verfahren abtritt.

Orientiert sich die Stadt Aachen auch an anderen „Immovielienentwicklungen“, die von Kommune und Zivilgesellschaft gemeinsam vorangetrieben werden, wie z. B. Haus der Statistik in Berlin?

Eickhoff: Da haben wir sogar einen ganzen Katalog von Inspirationen. Je nachdem um welches Thema es gerade geht, muss ich an ein bestimmtes Projekt denken. Zum Beispiel lässt mich die Mischung aus kleinteiligen Existenzgründungsgeschichten oft an Fritz 23 in Berlin denken. Und wir hatten bereits Tobias Becker von der Rohrmeist Schwerte und dem Netzwerk Immovielien hier, der für die Meffis Frage und Antwort gestanden hat und Christian Hampe aus utopiastadt möchte auch bald vorbeikommen.

Webseite Büchel Ausführlicher Jahresbericht des Netzwerks für 2019

Die A5 Broschüre mit tollen Immovielien-Collagen bietet einen Überblick über zahlreiche Aktivitäten und Angebote des Netwerks und macht Lust auf mehr Engagement! Verschickung der Broschüre über die Koordinierungsstelle möglich

Jahresbericht des Netzwerks2019 Wenn Menschen aus dem Netzwerk sich treffen, entstehen immer tolle Ideen!

Interview mit Netzwerkgründungsmitglied Jörn Luft und Larisa Tsvetkova für das Netzwerk Immovielien

NI: Jörn, du hast das Netzwerk mitbegründet und kennst es sehr gut. Wie blickst du auf die vergangenen zwei-drei Jahre zurück?

Jörn Luft: Nach dem Konvent 2016 in Leipzig haben wir 2017 zunächst ein loses Netzwerk gegründet, um am Thema „Gemeinwohlorientierte Immobilien- und Stadtentwicklung“ weiterzuarbeiten und es sichtbarer zu machen. Wir hatten so viel Zuspruch, dass wir kaum anderthalb Jahre später einen Verein gründen und eine Koordinierungsstelle einrichten konnten. Seitdem starten wir weiter durch und haben mit der Arbeit der Koordinierungsstelle, verschiedener AGs und vor allem der Vielen im Netzwerk schon ein paar gute Impulse setzen können. Heute haben wir über 160 Mitglieder, die bundesweit aktiv sind. Das ist schon beeindruckend!

NI: Du hast einige Veranstaltungen miterlebt, wo sich das Netzwerk Immovielien aktiv beteiligt hat. Wie kommt unsere Botschaft beim Fachpublikum an?

Jörn Luft: Ich glaube, dass wir mit unserer Forderung nach mehr Gemeinwohlorientierung und Kooperation in der Stadtentwicklung derzeit einen Nerv treffen. Unsere Glaubwürdigkeit hat einen Grund: Wir erzählen nicht nur aus Sicht von Initiativen, wie Zivilgesellschaft Verantwortung für die Stadt übernehmen will und kann, sondern nehmen dabei auch die Perspektiven von Kommunen und Wirtschaft ein, die ebenso Mitglied im Netzwerk Immovielien sind. Dieser Zusammenschluss verschiedener Akteure zu diesem Thema ist neu und besonders. Die Botschaften kommen an. Unsere konkreten Aktivitäten kommen allerdings noch etwas unklar rüber. Ich wünsche mir deshalb, dass wir darauf reagieren und hier präziser werden.

NI: Dass Immovielien gut ankommen, spiegelt auch den aktuellen Hype rund um den Begriff Gemeinwohl wider. Profitieren wir von einer Mode-Erscheinung? Oder werden Immovielien tatsächlich zunehmend ernst genommen?

Jörn Luft: An beiden Vermutungen ist etwas dran. Gemeinwohl ist ein Trendbegriff, der von verschiedensten Seiten aufgegriffen wird. Und zwar deshalb, weil es genau an dieser Stelle in unserer Gesellschaft hapert und viele Menschen in ihren Funktionen begreifen, dass es so nicht weitergehen kann. Eingeübte Mechanismen der Marktwirtschaft führen dazu, dass unser Lebensumfeld dem menschlichen Maßstab immer weniger gerecht wird. Der Wunsch nach einer Veränderung ist in dem Begriff verpackt. Gemeinwohl ist nicht leicht zu definieren, lässt sich aber, wenn man es sich leichter machen will, vom Eigenwohl Weniger abgrenzen. Immovielien, die für ein gutes Leben in ihrem Projekt sorgen und gleichzeitig für ihren Stadtteil etwas Gutes tun, verkörpern den Begriff Gemeinwohl und machen ihn greifbar.

NI: Wie hast du die Zusammenarbeit im Netzwerk bisher beobachtet? Insbesondere bei der AG Boden, wo du dich am meisten engagiert hast?

Jörn Luft: Wenn Menschen aus dem Netzwerk sich treffen, sei es bei AGs oder auf Veranstaltungen, entstehen eigentlich immer tolle Ideen. Oft sind das so viele, dass wir uns nachher fragen müssen, wie wir die eigentlich alle umsetzen wollen. Aus manchen Ideen entstehen Kooperationen, andere Ideen landen in AGs. In der AG Boden trifft sich zum Beispiel regelmäßig ein aktiver Teil des Netzwerks. Und wenn wir uns treffen, dann erreichen wir auch etwas. So haben wir zum Beispiel Positionspapiere zum „Aufruf: Grundsteuer zeitgemäß!“ oder zu den Empfehlungen der Baulandkommission geschrieben, haben über eine Konferenz des Netzwerk Immovielien nachgedacht oder Überlegungen zu Auftritten auf Veranstaltungen angestellt, aus denen dann der Tag der Immovielien auf der Raumkonferenz in Dresden entstanden ist. Davon wünsche ich mir mehr! Und davon passiert auch mehr, wenn ich zum Beispiel auf die AG Konferenz und die AG Recht schaue, die sich derzeit gründen. Wir können noch mehr Kooperationen anstoßen, unsere Forderungen weiterentwickeln, neue Projekte initiieren. Das klappt aber nur, wenn sich viele Mitglieder engagieren.

NI: Das heißt, wir haben schon viel erreicht, aber wir haben auch noch viel vor. Was ist deine Vision für 2020 und vielleicht darüber hinaus?

Jörn Luft: Weitermachen! Zum einen in der inhaltlichen Zusammenarbeit, wie der Auffrischung unserer Forderungen, der Durchführung von ein, zwei größeren Netzwerktreffen und einer bundesweiten Konferenz als ein weiterer Meilenstein. Mal sehen, welche Ideen im Netzwerk sonst noch entstehen. Daneben könnte ich mir vorstellen, mit weiteren Akteuren außerhalb unseres Netzwerks stärker ins Gespräch zu kommen. Aber auch im Netzwerk können wir den Austausch weiter fördern. Es wäre interessant, Formate zu entwickeln, durch die wir voneinander lernen können. Das geht innerhalb einer Gruppe, zum Beispiel Kommunen, wie beim Bundesweiten Austausch zu Konzeptverfahren, den Netzwerkmitglieder schon zum dritten Mal durchgeführt haben, aber auch zwischen verschiedenen Gruppen – um Brücken zwischen Initiativen, Kommunen und Wirtschaft zu bauen. Denn genau das macht unser Netzwerk aus!

wohnbund Fachtagung 2019 -Dauerhaft sicher wohnen -Akteure, Konzepte und Strategien für mehr gemeinwohl orientierte Wohnungsbestände

15. NOVEMBER in LEIPZIG

AUS DEM NETZWERK IMMOVIELIEN UNTERSTÜTZT durch RegioKontext, Stiftung trias, Haus- und Wagenrat Leipzig, Netzwerk Leipziger Freiheit

Als Kooperationspartnerin trat das Netzwerk bei der Wohnbund-Fachtagung „Dauerhaft sicher wohnen – Akteure, Konzepte und Strategien für mehr gemeinwohlorientierte Wohnungsbestände“ auf. Unter anderem die Stiftung trias, der Haus- und WagenRat Leipzig und das Netzwerk Leipziger Freiheit diskutierten dort, mit welchen Strategien gemeinwohlorientierte Akteure sowohl im Bestand als auch beim Neubau „Boden gutmachen“ können. Sie tauschten sich über Ansätze in der kommunalen Boden- und Förderpolitik und Instrumente wie Vorkaufsrechte sowie genossenschaftliche Konzepte zur Übernahme von Wohnungsbeständen und gelingende Modelle für den Neubau aus.

Programm Flyer 41 x Praktisch

Erfolgreiche Projektakteure bringen Wissen, Handwerkszeug und nützliche Tipps für den Projektalltag mit und stellen sich Ihren Fragen. In 41 x 25 Minuten gibt es geballten Input, Fragen und Antworten.

41 x Praktisch ist Teil der 2018 erfolgreich gestarteten, gemeinsamen Veranstaltungsreihe der Netzwerkmitglieder startklar a+b, Rohrmeisterei Schwerte, Montag Stiftung Urbane Räume, Stiftung trias und Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft (Institut für Prozessarchitektur)

Webseite der Veranstaltung

Link zum Programm

3. Bundesweiter Austausch Konzeptvergabe zum Liegenschaftsgeschäft mit gemeinschaftlichen Wohnprojekten

24./25. OKTOBER 2019 IN FRANKFURT AM MAIN

PROJEKT VON AG Konzeptverfahren | AUS DEM NETZWERK IMMOVIELIEN UNTERSTÜTZT DURCH Stiftung trias, GLS Bank

Beim dritten interkommunalen Austausch Konzeptverfahren kamen in Frankfurt am Main erneut Vertreter*innen aus 18 Städten und Gemeinden zusammen, um sich untereinander und mit den NGOs, die die Städte und die Wohnprojekte bei Konzeptverfahren unterstützen, auszutauschen. Auch die Organisator*innen des Austauschs vom Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen, der mit-bauzentrale münchen und dem Netzwerk Leipziger Freiheit arbeiten bei diesen intermediären NGOs. Sie alle verstehen Konzeptverfahren als wichtigen Teil von „Stadtproduktion“. Dokumentation_3.Austauschkonzeptverfahren

2. Netzwerktreffen 2019 im Rahmen des Nationalen Stadtentwicklungspolitikkongress

18. SEPTEMBER in STUTTGART

Der Nationale Stadtentwicklungspolitik-Kongress ist mit jährlich circa 1000 Teilnehmenden ein bundesweiter Netzwerktermin. Dieses Jahr waren wir aktiv dabei und gestalteten mit unserem offenen Netzwerktreffen den ersten Programmpunkt. An die rund 70 Mitglieder und Gäste wendet sich dieNetzwerkmitbegründerin Frauke Burgdorff, nach einer kurzen Begrüßung, gewohnt direkt, mit einer klaren Zielsetzung: Der Immovielien-Begriff soll in spätestens fünfJahren im Duden stehen. Angesichts der erfolgreichen Öffentlichkeitsarbeit seit 2016, sei das durchaus realistisch, wenn alle „Immovielien-Freunde“ an dieser Mission aktiv mitwirken. Wer sie kennt, weiß warum wir „unsere“ Frauke, frisch zur Baudezernentin der Stadt Aachen gewählt, gebeten haben, die Verbindung zwischen dem diesjährigen Thema des NSP-Kongresses und unserer Netzwerkarbeit darzulegen: Immovielien tun etwas fürs Gemeinwohl, sie tun etwas für die Gemeinschaft vor Ort. Egal ob Dorfladen, kultureller Veranstaltungsort, Gewerbehof, oder Wohnprojekt: Sie alle geben der Stadtgesellschaft etwas umsonst und produzieren langfristig einen Mehrwert für das Quartier oder die Region, ohne dass die Wirtschaftlichkeit dabei an erster Stelle steht- das macht sie solidarisch! Das Immovielien mehr als ein bloßer Ort der kreativen Selbstverwirklichung sind, zeigt sich auch an anderer Stelle.

So fungieren Immovielien mitunter auch als wichtige Vermittler zwischen zivilgesellschaftlichem Engagement und der verfassten Demokratie, wie Frauke Burgdorff am Beispiel der Dortmunder Immovielie Uniongewerbehof hervorhebt. In den 90er-Jahren einst von Erwerbslosen belebt, fungiert der Gewerbehof heute, im von Problemen mit Rechtsradikalismus geprägten Stadtteil Dorstfeld, als wichtiger Brückenbauer in unterschiedliche Stadtgesellschaften und Stabilisator des Stadtteils. Neben den positiven Impulsen, die Immovielien in ihr Quartier und Umfeld in ganz unterschiedlicher Weise geben, betont Frauke Burgdorff auch die oft übersehene wirtschaftliche Hartnäckigkeit der Projekte. Immovielien bleiben und sind in der Regel sogar beständiger als konventionelle Immobilien-Projekte. Oft darauf angewiesen Sonderlösungen zu entwickeln, finden Immovielien-Macher*innen ganz unterschiedliche Wege der Finanzierung und Förderung ihrer Ideen– sie sind resilient!

Dieser Umstand sollte jedoch nicht nur zu Lob und Anerkennung animieren, sondern auch dazu, die Rahmenbedingungen für Immovielien aktiv zu verbessern. Dafür, erklärt Frauke Burgdorff, hat sich das Netzwerk gegründet. Besonders betont sie dabei noch einmal die Forderung des Netzwerks nach „Mehr Augenhöhe“. So werden Immovielien nach wie vor in ihrem Potenzial für eine nachhaltige Stadtentwicklung verkannt. Immovielien müssen ernst genommen werden und dies nicht bloß als gemeinwohlorientierte Akteure, sondern als ernsthafte Investoren, die die ihre Umgebung nicht benutzen, sondern in sie reinvestieren und sie bereichern- das macht sie smart, in Sinne von nachhaltig, so die Kernbotschaft Frauke Burgdorffs zum Abschluss ihrer Rede.

Kommunen und Gemeinden könnten die Projekte dabei nicht nur mehr fördern, sie könnten von dem besonderen Querschnittswissen der Immovielien-Macher*innenunmittelbar profitieren. Wohin es für das Netzwerk abseits des angestrebten Platzes im Duden in möglichst naher Zukunft gehen sollte, scheint für sie klar zu sein: In den Bundestag, um mehr an politischer Sichtbarkeit und Wirksamkeit zu gewinnen. Weiter für Immovielien zu schwärmen und für sie auszuschwärmen, das Netzwerk dabei als stete Inspirationsquelle nutzen – darauf kommt es in der Zukunft an!

Nach diesem inspirierendem Intro stellten sich beispeilhaft die Projekte Haus der Statistik in Berlin und die Farbküche in Altenburg (Thüringen) als Immovielien aus Stadt und Land vor. Im zweiten Teil des Netzwerktreffens stand der Austausch und die Vernetzung von Mitgliedern und Gästen im Vordergrund. Auch bei weiteren Panels des Rahmenprogramms waren unsere Mitglieder beteiligt. Außerdem hatte das Netzwerk einen Info-Tisch und war Teil der Ausstellung der Urbanen Liga.

MehrBoden! Stellungnahme zu den Ergebnissen der Baulandkommission

PROJEKT der AG Boden

Für eine gemeinwohlorientierte Immobilienentwicklung und Immovielien forderten wir 2019 verstärkt von der Regierungskommission „Nachhaltige Baulandmobilisierung und Bodenpolitik“. In einem Anschreiben an die Kommissionsmitglieder appellierten wir zunächst, das Gemeinwohl beim Thema Boden nicht aus den Augen zu verlieren. Im Juli 2019 veröffentlichte die Baulandkommission dann ihre Handlungsempfehlungen. Unser Aufruf zu mehr Gemeinwohl findet sich in den Formulierungen der Kommission wieder, doch im Detail gehen uns die Empfehlungen nicht weit genug. Deshalb haben wir im September in einem kurzen Papier unsere Positionen erläutert und weitergehende Handlungsvorschläge formuliert.

190820_Nachgang_Immovielien_BriefBaulandkommission_Langversion Städtebauliches Begleitforschungsprojekt „Gemeinwohlorientierte Initiativen in der Quartiersentwicklung“ des BBSR

Zahlreiche gemeinwohlorientierte und selbstverwaltete Initiativen engagieren sich für das Zusammenleben in Stadt- und Ortsteilen. Das Forschungsprojekt untersuchte, welche konkrete Bedeutung diese Initiativen für eine sozial, ökonomisch, ökologisch und kulturell nachhaltige Stadtteilentwicklung haben können und welche Rolle die Städtebauförderung bei der Unterstützung dieser Initiativen in Zukunft übernehmen kann.

Projektlaufzeit: September 2017 – Februar 2019

Projektwebseite

Immovielientag bei der Raumkonferenz 23.JUNI in DRESDEN

Zukunftsschutz jetzt!

… heißt es seit der Raumkonferenz, die vom 17. – 23. Juni in Dresden stattfand. Netzwerkmitglied Konglomerat e.V. hat 2019 die Idee der Zukunftsschutzgebiete in die Welt gesetzt und mit einem Symbol versehen: Der Mörtelkelle, die wir alle in der Hand halten. Die Idee: Das Lösen und Bearbeiten komplexer Probleme der Stadtentwicklung wie Klimawandel, Krisenfestigkeit, Ressourcenverschwendung, gesellschaftlicher Frieden, Zukunft des Wohnens etc. trägt genau dann besonders viele Früchte, wenn viele, viele Menschen – anstatt einiger weniger – die Kelle der Gestaltung in die Hand nehmen und einen Rahmen finden, um gemeinsam und ko-produktiv neue Ansätze zu erproben. Basis für derlei Innovationen im Experiment sind Flächen und Räume, die so etwas langfristig zulassen und Organisationsweisen, die dies befördern.

Als Partner der sehr gelungenen Raumkonferenz gestaltete das Netzwerk am 21.6. einen ganzen Tag Programm: Unsere Vorstände präsentierten das Netzwerk. Mona Gennies ging der Frage nach, welche Kriterien „das Gemeinwohl“ ausmachen. Die GLS Bank zeigte, wie die Finanzierungspraxis kollektiver Immobilienprojekte aussieht. Die Stadtbodenstiftung Berlin präsentierte ihre Ideen zu gemeinschaftlichem und demokratischem Bodenbesitz. Die Arbeits- und Koordinierungsstruktur Gemeinwohl aus Friedrichshain-Kreuzberg stellte neue Ansätze zur Stadtentwicklung mit Bürger*innen aus Berlin vor. Der Leipziger Haus- und WagenRat berichtete von seiner Arbeit in Klein- und Mittelstädten sowie über Möglichkeiten zur Legalisierung von Wagenplätzen. Und Dagmar Schmidt von den Lausitzer Perspektiven leitete einen Workshop mit dem Titel „Was kommt nach dem Landgrabbing? Boden- und Raumperspektiven in den neuen Bundesländern“. An zwei weiteren Tagen war auch die Montag Stiftung Urbane Räume aktiv und Andreas Rieger sprach für die AG Boden auf dem Podium zum Thema „Ein Recht auf Grund und Boden – Unser Umgang mit einem begrenzten Gut“.

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