Fotos: © Nils Koenning, AbBA, Initiative Haus der Statistik, ZKB eG, Graphik: © Teleinternetcafe und Treibhaus

Haus der Statistik in Berlin

Modellprojekt für kooperative Stadtentwicklung

Seit 2008 steht ein riesiges Gebäude im Herzen der boomenden Stadt leer. Auf Hinwirken der Initiative Haus der Statistik, einer Gruppe engagierter Künstler:innen, Architekt:innen, Kulturschaffender und Politiker:innen wurde der Abriss verhindert und es entsteht ein Modellprojekt für kooperative und gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung.

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Gebäudetyp

Ehemaliges Verwaltungsgebäude (unter anderem Sitz der Staatlichen Zentralverwaltung der Statistik der DDR, später Dienstsitz der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes), gebaut 1968-1970. Auf dem bisherigen Hof und an Stelle zweier Flachbauten sollen Neubauten entstehen.

Gesamtfläche oder Nutzflächen nach Nutzung

Für Nutzungen entsprechend des Konzeptes der Initiative (sogenannte Pioniernutzungen in den Bereichen Kunst, Kultur, Soziales, Bildung und Nachbarschaft) stehen während der Planungs- und Bauphase ca. 7.000 m² in den Erdgeschossen der Bestandsgebäude zur Verfügung. Diese sollen sich nach Möglichkeit verstetigen und ihre Nutzungsanforderungen in die weitere Projektentwicklung einbringen.
Nach Abschluss der Um- und Neubauten schlüsseln sich die Arten der Nutzung wie folgt auf: Im Bestand sollen etwa 46.000 m² erhalten bleiben. Davon entfallen ca. 9.500 m² auf Nutzungen entsprechend des Konzepts der Initiative. Die restlichen 36.500 m² sollen für Verwaltungszwecke städtischer Institutionen genutzt werden.
Im Neubau werden ca. 66.000 m² Nutzfläche entstehen. 51.000 m² entfallen auf Wohnungen einer kommunalen Wohnungsbaugesellschaft und das neue Rathaus des Bezirks Mitte sowie Kita, Kantine und vieles mehr. Die restlichen 15.000 m² Neubau werden wiederum von der Initiative entwickelt und umfassen diverse Erdgeschossflächen, ein Wohngebäude und zwei sogenannte Experimentierhäuser.

Projektstatus

Die Obergeschosse der Bestandsgebäude werden derzeit entkernt, die Erdgeschosse der Bestandsgebäude werden Stück für Stück für Pioniernutzungen hergerichtet. Die Planungen für Um- und Neubauten laufen, der Bebauungsplan für das Areal befindet sich in Bearbeitung.
Ebenfalls in einem stetigen Prozess des Werdens befinden sich die entsprechenden Organisationsformen, mehr dazu unter diesem Punkt.

Das Besondere – Erfolgsbausteine

  • die Zusammensetzung der Initiative aus erfahrenen Akteur:innen der Stadtgesellschaft, wie zum Beispiel ZK/U und raumlaborberlin, die sich zum Teil schon lange kennen
  • Der richtige Zeitpunkt – Die Diskussion um steigende Immobilienpreise und das grassierende Atelier-Sterben verknüpfte sich im Jahr 2015 mit der Notwendigkeit, die im Zuge des langen Sommers der Migration nach Berlin kommenden Menschen unterzubringen.
  • Die Bildung einer neuen Landesregierung im Herbst 2016 schuf eine günstige institutionelle Umgebung und ein Stück Planungssicherheit.
  • Kooperation auf Augenhöhe – Die Kooperation zwischen der Initiative und 3 Verwaltungen und 1 Wohnungsbaugesellschaft ist in ihrer Konstellation neu und einmalig. Siehe Punkt Organisationsform.

    Chronologie

    Vorher


    1964
    Wettbewerb für die Umgestaltung des Alexanderplatzes

    1968
    Baubeginn des Hauses der Statistik nach Entwürfen des Planerkollektivs Hörner / Senf / Härter

    1970
    Fertigstellung und Bezug des Hauses der Statistik: Sitz der Staatlichen Zentralverwaltung der Statistik der DDR

    1990
    Dienstsitz der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes

    1993
    Der Masterplan Alexanderplatz sieht den Abriss der Bestandsgebäude vor

    ab 2008
    Leerstand

    Am Anfang


    2015
    Um den Verkauf an Investoren und den damit verbundenen Abriss zu verhindern, wird im Herbst 2015 eine Kunstaktion am Haus der Statistik inszeniert. Die Allianz bedrohter Berliner Atelierhäuser (AbBA), eine Gruppe engagierter Künstler:innen, bringt über Nacht ein großes Poster im Stile eines offiziellen Bauschilds an der Fassade an: “Hier entstehen für Berlin: Räume für Kultur, Bildung und Soziales”. Damit wird die Diskussion um die Zukunft des Gebäudes in die Öffentlichkeit getragen.

    2016
    Es formt sich die Initiative Haus der Statistik, ein Bündnis von verschiedenen Berliner Akteur:innen: Soziale und kulturelle Einrichtungen und Verbände, Künstlerkollektive, Architekt:innen, Stiftungen und Vereine. Sie organisiert ab Anfang 2016 öffentliche Vernetzungstreffen für an der Entwicklung des Haus der Statistik interessierte Menschen.
    In zwei Vernetzungsratschlägen mit jeweils rund 300 Teilneh-mer:innen wird im intensiven Austausch zwischen interessier-ten Akteur:innen an konkreten Vorstellungen zur Nutzung und zum weiteren Verfahren gearbeitet. Hierauf kann die im April 2016 formulierte Machbarkeitsstudie aufbauen, die dem Berli-ner Senat ein konkretes Angebot zur weiteren Entwicklung des Areals unterbreitet. Darin wird gezeigt, dass das 2010 vorge-schlagene Neubauvolumen dem Bestand noch hinzugefügt werden kann.
    Im April 2016 konstituiert sich die aktive Kerngruppe der Initiative Haus der Statistik als eingetragene Genossenschaft (ZKB), um als rechtsfähiger Partner Teil des weiteren Entwicklungsprozesses werden zu können.
    Der Impuls der Initiative, aus dem Areal einen vielfältigen Ort für Kultur, Soziales, Bildung und integriertes Wohnen zu entwi-ckeln, wird Ende 2016 im Koalitionsvertrag der Regierung aufgegriffen und um Flächenbedarfe der Verwaltung ergänzt.

    2017
    Um das gemeinwohlorientierte Modellprojekt zu realisieren, wird das Gebäude im Herbst 2017 durch das Land Berlin von der Bundesanstalt für Immobilien (BImA) erworben.

    Verstetigung

    2018
    Seit Januar 2018 gibt es eine Kooperationsvereinbarung zwischen fünf Partnern (den sogenannten KOOP 5). Dadurch wird die Zivilgesellschaft zum Akteur der Projektentwicklung – auf Augenhöhe mit den öffentlichen Partnern.
    In einem integrierten Werkstattverfahren werden ab Herbst 2018 die Grundlagen für einen neuen Bebauungsplan für das Areal erarbeitet. Dabei spielt sowohl die Kooperation der beteiligten Akteur:innen als auch die breite Mitwirkung der Stadtgesellschaft eine zentrale Rolle.

    2019
    Zum Abschluss des integrierten Werkstattverfahrens wird der städtebauliche Entwurf von Teleinternetcafé und Treibhaus (Berlin / Hamburg) ausgewählt, auf dessen Grundlage der Bezirk Mitte einen Bebauungsplan für das Areal entwickelt.
    Durch eine Verstetigung der Werkstatt als Informations- und Mitwirkzentrale, bleibt der Prozess vor Ort präsent und im ständigen Austausch mit der Öffentlichkeit.
    Ab Sommer 2019 werden im Rahmen der Pioniernutzungen erste Flächen und Räume an Nutzer:innen vergeben, um prototypisch die kooperativen und gemeinwohlorientierten Ziele der langfristigen Quartiersentwicklung zu testen. Um eine faire und transparente Vergabe zu ermöglichen, wird ein Quartiers-Gremium gegründet, das sich der inhaltlichen Arbeit an Vergabekriterien für Pionierflächen und später auch der Programmierung und Aktivierung der gemeinschaftlich genutzten Erdgeschoss- oder Freiraumflächen annimmt.

    Auf lange Sicht

    2021
    …soll das Bebauungsplan-Verfahren abgeschlossen sein

    2024 und 2025
    …sollen die Neubauten für die Nutzungen der Initiative fertiggestellt sein

    2028
    …sollen die letzten Bauarbeiten am Areal abgeschlossen sein

    Organisationsform

    Die Initiative Haus der Statistik entwickelt das Projekt momentan vor allem in Form einer Genossenschaft, die wiederum Teil eines Joint Ventures mit städtischen Gesellschaften ist.

    Die ZUsammenKUNFT Berlin eG
    Die Initiative Haus der Statistik machte sich handlungs- und vor allem rechtsfähig, indem sie im April 2016 die Entwick-lungsgenossenschaft Tempelhofer Feld (EGT) “freundlich übernahm” und zur ZUsammenKUNFT Berlin eG – Genossen-schaft für Stadtentwicklung (ZKB) umwandelte.
    Die ZKB handelt als Sachwalterin der Interessen, Anregungen und Forderungen der Initiative. Wichtig war den Initiator:innen, dass die Initiative neben der Entwicklungsgenossenschaft wei-ter besteht; sie bleibt offen für alle Interessierte und bündelt viele Unterstützer:innen. Die Genossenschaft übernimmt als rechtsfähige Konstruktion eher eine operative Rolle, um den Prozess der Projektentwicklung zum Haus der Statistik mitzu-gestalten.

    Die Koop5
    Dies geschieht im Rahmen einer neuartigen Konstellation, die Akteur:innen aus Stadtgesellschaft und Stadtverwaltung auf Augenhöhe zusammenbringt: Die sogenannte Koop5:

  • Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung + Wohnen
  • Das Bezirksamt Berlin-Mitte
  • Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH (WBM)
  • Die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM)
  • Die ZUsammenKUNFT Berlin eG (ZKB)
  • Die fünf Kooperationspartner arbeiten in gemeinsamer Ver-antwortung an der gemeinwohlorientierten Entwicklung des Quartiers. Diese gemeinsame Verantwortung soll nicht mit Baurecht oder Baubeginn enden, vielmehr soll die Kooperation bis in die Nutzungsphase fortgesetzt werden. Durch gemeinsame Kooperationsvereinbarungen verständigen die Koop5 sich gegenseitig wie auch mit der Öffentlichkeit über die ge-meinsamen Ziele und eine kooperative Arbeitsweise.
    In der ersten Kooperationsvereinbarung wurde die quantitative Nutzungsverteilung in den einzelnen Baufeldern im Bestand und Neubau festgehalten. Zudem umfassen die Vereinbarun-gen konkrete Aussagen zu den Verantwortlichkeiten und Rol-len im Prozess sowie dem gemeinsam definierten Arbeitspensum.
    Eine Kultur der Offenheit und des gegenseitigen Vertrauens zieht sich als roter Faden durch den Prozess und die Koopera-tion. Insbesondere die Gewährleistung der Augenhöhe zwi-schen den städtischen und zivilgesellschaftlichen Partnern ist nicht selbstverständlich. Verschiedene Fähigkeiten, Erfahrun-gen und Rollen finden in gegenseitigem Respekt zu einem produktiven Miteinander. Diese Art von Entscheidungsgremi-um und Zusammenarbeit ist in Berlin bisher ohne Beispiel. Vor Kurzem unterzeichnete die Koop5 die dritte Kooperationsvereinbarung, zu finden unter Links und Download.

    Finanzierung

    Die allgemeine Quartiersentwicklung (inkl. Werkstattverfahren, Mitwirkung, Projektsteuerung) wird zu vier gleichen Anteilen von der Senatsverwaltung, dem Bezirk Mitte, der WBM und der BIM finanziert. Die Finanzierung wird durch regelmäßige Kooperationsvereinbarungen festgehalten.
    Die Finanzierung der eigenen Projektentwicklung stellt die ZKB vor schwierige Aufgaben, da dessen Fortschreiten nicht zuletzt auf viel ehrenamtlicher Arbeit der Genoss:innen beruht.
    Die Kooperations-Partner finanzieren nur spezifische Teile der Arbeit der Initiative (wie zum Beispiel anteilig Öffentlichkeitsarbeit und die Gestaltung von Prozessen der Mitwirkung), nicht aber die Projektentwicklung selbst.

    Kommunikation

    Von Beginn an ist die gemeinwohlorientierte Entwicklung des Areals Haus der Statistik ein offener und kollaborativer Pro-zess. So organisiert die Initiative seit Anfang 2016 öffentliche Vernetzungstreffen für an der Entwicklung des Haus der Sta-tistik interessierte Menschen. Hier wird bis heute regelmäßig über den aktuellen Stand des Verfahrens informiert, Fragen zur Entwicklung des Areals werden kollektiv besprochen und entwickelt. Durch diesen Austausch zwischen den formal not-wendigen Aspekten des Verfahrens und der lebendigen Stadt-gesellschaft sind entscheidende Schritte der Entwicklung im-mer eingebettet in eine gegenseitige Rückkopplung aller Ak-teur:innen. Durch diese kontinuierliche Vernetzungsarbeit ent-steht quasi “nebenbei” eine Koalition von möglichen Nut-zer:innen und uneigennützigen Unterstützer:innen.

    Werkstatt
    Die Präsenz vor Ort wird seit Herbst 2018 durch die Werkstatt Haus der Statistik gewährleistet. Hier arbeiten die Mitglieder der ZKB an der Verwirklichung des Nutzungsprogramms der Initiative und an der Gestaltung der Mitwirkung der Stadtgesellschaft.
    Pläne, Informationen und ein Modell des Areals sind im Schaufenster sichtbar, bei offenen Türen auch direkt zu betrachten. Mitglieder der ZKB stehen für Erläuterungen und Diskussionen zur Verfügung.

    Werkstatt-Formate
    In der Werkstatt wurden auch viele Veranstaltungen zum integrierten Werkstattverfahren durchgeführt:

  • In Workshops ging es um Themen wie Initialnutzung, Wohnmodelle, Bebauungsdichte, Bebauungsplan, Nut-zergetragene Stadtentwicklung und das Rathaus der Zukunft. Es wurden Expert:innen zu den jeweiligen Themen geladen, die zusammen mit der interessierten Stadtgesellschaft zu spezifischen Fragestellungen ar-beiteten.
  • Wöchentlich diskutierten wir im Plan-Tisch den aktuel-len Stand der Entwürfe an den Plänen und im Modell und arbeiteten an aktuellen Fragestellungen des Pla-nungsprozesses.
  • Im Planungslabor kamen Vertreter:innen der fünf Ko-operationspartner, der Planer:innen-Teams und der in-teressierten Stadtgesellschaft zusammen, um themen-spezifisch die Entwürfe zu besprechen.
  • In Kolloquien präsentieren die drei Planer:innen-Teams dem Gutachter:innen-Gremium und der interessierten Öffentlichkeit ihre Entwürfe.
  • Pioniernutzung
    Als eine der ersten Pioniernutzungen im Bestandsgebäude zeigt im Sommer 2019 eine Ausstellung die Entwürfe zur städtebaulichen Planung, aber auch zum integrierten Werkstattverfahren und zum gesamten Prozess rund um das Haus der Statistik.

    Online-Kommunikation
    Für digitale Sicht- und Erreichbarkeit sorgen ein turnusmäßiger Newsletter und eine Website (hausderstatistik.org). Hier finden sich Informationen über den bisherigen Prozess, Veranstaltungs-Ankündigungen und ein Kontaktformular für Nutzungsinteressent:innen. Auch die bislang erstellten Broschüren und Dokumentationen sind hier abrufbar.

    Teamentwicklung

    Die Genossenschaft besteht aus einem Kreis von erfahrenen Akteur:innen aus gemeinwohlorientierter Stadtentwicklung, Kunst, Kultur und sozialen Projekten, die sich im Laufe der Konsolidierung der Initiative Haus der Statistik zusammenfanden. Die Genossenschaft wird von einem ehrenamtlichen Vorstand geleitet und arbeitet konsensorientiert und ohne allzu feste Strukturen. Die Werkstatt am Haus der Statistik ist über das integrierte Werkstattverfahren hinaus kontinuierlich von sogenannten Botschafter:innen besetzt, die dem Kern-Team der Genossenschaft zuarbeiten und als Schnittstelle zur Nachbarschaft sowie zur weiteren Stadtgesellschaft fungieren. Freiwillige Helfer_innen leisten in Phasen großen Arbeitsaufkommens punktuelle Unterstützung.

    Immobilien/Planen/Bauen

    Die Flächen für die Nutzungen der Initiative wird die ZKB voraussichtlich in Erbpacht oder vermittels langfristiger Mietverträge von der BIM übernehmen und als Bauherrin der Um- und Neubauten agieren. Die entsprechenden rechtlichen und finanziellen Grundlagen befinden sich aktuell ebenso in Vorbereitung wie die Planung selbst. Die in Zukunft anstehenden Planungs- und Bauprojekte umfassen:

  • Umbau Haus A in Abstimmung mit BIM und SenSW
  • Neubau Experimentierhäuser
  • Neubau Wohnungsbauprogramm der Initiative in Abstimmung mit WBM
  • EG-Nutzungen in Bestands- und Neubauten in Abstimmung mit den Koop5
  • Dialogische Entwicklung ausgewählter Programme der Koop5: Wohnungsbau WBM, kooperative Planung von synergetischen Flächen (Rathaus-Saal, -Kita, -Kantine…)
  • Nachbarschaft und Stadtteil

    Alexanderplatz
    Das Haus der Statistik befindet sich im Zentrum Berlins in unmittelbarer Nähe des Alexanderplatzes. Dieser ist nicht nur Teil historischer und kultureller Imaginationen von Metropole, hier tobt auch heute das Großstadtleben: Neben einem Knotenpunkt des öffentlichen Nahverkehrs kreuzen sich vierspurige Straßen, einkaufswütige (Sub-)urbanit:innen treffen auf erlebnishungrige Tourist:innen. Das Areal ist mithin an internationale Besucher:innen-Ströme angebunden und für die interessierte Stadtgesellschaft leicht erreichbar.

    Stalin-Allee
    Zugleich befindet sich das Areal „rückwärtig“ in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem aufgelockerten Wohnviertel: Zeitgleich mit dem Haus der Statistik selbst entstand hier der zweite Bauabschnitt der Stalin-Allee (heute: Karl-Marx-Allee), ein Modellprojekt der sozialistischen Stadterneuerung. An ruhigen Straßen reihen sich Wohnhäuser in Plattenbauweise aneinander, durchsetzt mit Nahversorgungs- und Kultureinrichtungen in Form von Pavillons. Die Wohnungen befinden sich in der Hand städtischer Wohnungsbaugesellschaften und weisen eine diverse Bewohnerschaft auf, deren Kern von „Alteingesessenen“ gebildet wird.

    Bezirk Mitte
    Das weitere räumliche Umfeld des Areals umfasst den Bezirk Mitte, das historische Zentrum der Stadt Berlin. Das zwischenzeitliche Zentrum Ost-Berlins (der Hauptstadt der DDR) durchläuft in weiten Teilen spätestens seit den 2000ern einen Prozess massiver Gentrifizierung. Insofern ist es kein Wunder, dass die hiesige freie Szene, die in den letzten Jahrzehnten neben institutionellen und kommerziellen Trägern von Kunst und Kultur aufblühte, zunehmend von Verdrängung betroffen ist und die Nutzung vorhandener Räume einfordert.

    Wen oder welche Unterstützung brauchen wir noch?

    Die Finanzierung der Arbeit der Genossenschaft ist weiterhin nicht geklärt, die Umsetzung der Vorhaben der Initiative bleibt zunächst vom Wohlwollen der Koop5 (und damit letzten Endes auch von der politischen Konjunktur) abhängig.

    Stolpersteine

    Bislang beruht die Zusammenarbeit der Koop5 nur auf rechtlich nicht bindenden Kooperationsvereinbarungen, sodass für die Umsetzung des Nutzungsprogramms der Initiative keine Rechtssicherheit besteht.
    Die enge Kooperation mit Akteur:innen der Verwaltung konfrontiert den Prozess zudem immer wieder mit neuen Herausforderungen: wechselnde Zuständigkeiten, unerwartete Verzögerungen, plötzlich bremsende Vorschriften… In diesem Prozess hält die ZKB die Bedarfe im Spiel und achtet darauf, dass nicht an diesen vorbeigeplant wird. Dennoch sind die immensen Abstimmungsprozesse für alle Beteiligten mitunter zäh und zehrend.
    Weiterhin sind zudem Fragen der Förderung und der Verfahren ungeklärt. In Berlin werden gemeinwohlorientierte Entwicklungen kaum finanziell gefördert, auch der Erbbauzins müsste weitaus günstiger ausfallen!

    Autor: Felix Marlow (ZKB eG)

    Links und Download

    Kooperationsvereinbarung 3.0 der Koop5

    Broschüren zum HdS

    Entwürfe des Werkstattverfahrens

    Pioniernutzungen und Events